PRESS RELEASE
Pressearbeit deutscher Städte im Vergleich: Große Unterschiede in der Mitteilungsfrequenz
PR-Agentur Twenty-Eight ermittelt Anzahl der versendeten Medienmitteilungen und -einladungen von den Presseteams der 50 größten deutschen Städte
Vergleich von 54.500 Meldungen zeigt: Im Schnitt haben die Städte dieses Jahr rund 1.240 Mitteilungen versendet
Hamburg und Köln kommunizieren unterdurchschnittlich viel, Berlin führt das Ranking mit Abstand an
Deutsche Kommunen wandeln sich zunehmend zu eigenen Medienhäusern und treten damit in den Wettbewerb der kriselnden Lokalpresse – so die Kritik des VDL (Verbands Deutscher Lokalzeitungen und Lokalmedien). Die PR-Agentur Twenty-Eight hat daher bei den offiziellen Pressestellen von Deutschlands 50 größten Städten angefragt, wie oft sie Pressemitteilungen und -einladungen versenden und somit die Lokalpresse proaktiv informieren.
Insgesamt 44 der angefragten Städte antworteten und gaben an, zwischen dem 1. Januar und 30. November 2025 zusammen 54.500 Meldungen verschickt zu haben. Das entspricht einem Durchschnitt von 1.237 Meldungen pro Stadt.
Diese Städte kommunizieren insgesamt am meisten
In absoluten Zahlen liegt Berlin mit 6.316 Meldungen überdeutlich vorn und vereint damit 11,6 Prozent aller erfassten Pressemitteilungen auf sich. Den Löwenanteil tragen dabei die Pressestellen der einzelnen Bezirksämter mit über 4.900 versendeten Kommuniqués.
Hinter der „Mitteilungshauptstadt“ folgen Düsseldorf mit 2.719 und Essen mit 2.056 Pressemitteilungen. Dortmund (1.861) und Wiesbaden (1.852) komplettieren die Top Fünf. Die Millionenstadt Köln (1.057) kommuniziert hingegen deutlich weniger und damit unterdurchschnittlich. Die wenigsten Mitteilungen veröffentlichten Mülheim an der Ruhr (412), Leverkusen (450), Saarbrücken (569) und Potsdam (586).
Oldenburg kommuniziert pro Einwohner am aktivsten
Betrachtet man die Pressemitteilungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl, ergibt sich eine deutliche Verschiebung an der Spitze des Rankings: Oldenburg liegt mit 84 Pressemitteilungen pro 10.000 Einwohner auf dem ersten Platz, gefolgt von Krefeld (76,1) und Halle (Saale, 65,6). Die Plätze vier und fünf belegen Wiesbaden (64,1) und Hagen (59,7). Am anderen Ende der Tabelle rangieren Hamburg (7,1), Köln (10,3), München (10,9) und Leipzig (13,2).
So nutzerfreundlich sind die Presseseiten
Im Zuge der Recherche analysierte Twenty-Eight auch, wie zugänglich die einzelnen Presseseiten für Besucher sind. Volltextsuche nach Pressemitteilungen bieten 30 der 44 untersuchten Presseseiten. Eine Einschränkung nach Zeiträumen ist bei 27 untersuchten Webseiten möglich, eine Kategorisierung nach Themen bei 17. Insgesamt zwölf Städte bieten dabei alle drei Funktionen gleichzeitig an: Berlin, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Kiel, Magdeburg, Mainz, Mannheim, München, Oldenburg und Wiesbaden
Nils Leidloff, Gründer und Geschäftsführer von Twenty-Eight, kommentiert:
“Lokal- und Regionalmedien sind ein zentraler Pfeiler der deutschen Medienlandschaft, weil sie gesellschaftliche und politische Entwicklungen dort einordnen, wo sie unmittelbar wirken: vor Ort. Damit diese Medien ihrer Arbeit nachkommen können, ist es entscheidend, dass die kommunalen Pressestellen den Austausch mit Lokalredaktionen aktiv pflegen. Neben Hintergrundgesprächen, Interviews und dem persönlichen Austausch bleiben Pressemitteilungen dabei ein unverzichtbares Instrument. Vor diesem Hintergrund haben wir im Rahmen unserer Analyse betrachtet, wie intensiv Deutschlands Städte den Kontakt zu Medienvertretern suchen.
Die Ergebnisse zeigen erhebliche Unterschiede auf: Dass Berlin als größte Stadt in absoluten Zahlen an der Spitze liegt, ist zwar erwartbar. Bemerkenswert ist jedoch, dass andere Millionenstädte wie Köln oder Hamburg deutlich zurückhaltender kommunizieren. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl informiert Oldenburg pro Kopf sogar mehr als zwölfmal so häufig wie Hamburg. Diese unterschiedliche Priorisierung der regionalen Medienarbeit kann potenziell problematisch werden: Bereits heute stehen viele Lokal- und Regionalmedien unter erheblichem wirtschaftlichem Druck durch Digitalisierung und veränderte Geschäftsmodelle. Wenn unzureichende Kommunikation aus den Rathäusern zu einem weiteren strukturellen Risiko für die lokale Presse wird, kann das die regionale Öffentlichkeit schwächen und im schlimmsten Fall zu einem weiteren Rückgang des journalistischen Angebots führen.”
Über die Untersuchung
Für die Analyse hat Twenty-Eight die Pressestellen der 50 größten deutschen Städte zur Anzahl ihrer versendeten Pressemitteilungen und -einladungen im Zeitraum vom 01.01.2025 bis 30.11.2025 angefragt und von 44 eine Antwort erhalten. Bei Hamburg und Berlin wurden die veröffentlichten Mitteilungen im Newsroom gezählt, Bielefeld, Frankfurt am Main, Halle (Saale) haben Hochrechnungen übermittelt. Um einen einheitlichen Vergleich zu ermöglichen, wurden außerdem die Meldungen von Polizei und Justiz für die Stadt Berlin aus den online einsehbaren Meldungen herausgerechnet. Die mitgeteilten Zahlen der Presseteams unterscheiden sich mitunter erheblich von der Anzahl auf den Presseseiten, da dort nicht alle Mitteilungen oder Einladungen veröffentlicht werden. In einigen Städten sind die Informationen zudem nur begrenzt historisch verfügbar.
