PRESSEMITTEILUNG
KI im Bundestag: Anteil KI-formulierter Reden steigt binnen eines Jahres um 58 Prozent
PR-Agentur Twenty-Eight lässt insgesamt 4.471 Plenarreden der laufenden Wahlperiode mit dem KI-Erkennungstool Pangram auf die Nutzung von KI einzeln prüfen
Durchschnittlicher KI-Anteil in Bundestagsreden steigt von 3,8 Prozent (2025) auf 6 Prozent (2026)
SPD-Abgeordnete formulieren ihre Reden am KI-lastigsten, Regierungsmitglieder und Grüne am zurückhaltendsten
Bei 69 Prozent der Abgeordneten konnte kein nachweisbarer KI-Anteil in den Reden festgestellt werden
Während 2025 noch rund jede 13. längere Rede im Deutschen Bundestag sprachliche Spuren von KI aufwies, ist es 2026 bereits rund jede neunte. Das zeigt eine Untersuchung der PR-Agentur Twenty-Eight, für die 4.471 Plenarreden ab 500 Wörtern aus der 21. Wahlperiode analysiert wurden, von der konstituierenden Sitzung am 25. März 2025 bis zum 9. Juli 2026. Jede Rede wurde einzeln mit dem KI-Erkennungsdienst Pangram geprüft. Pangram analysiert Texte auf sprachliche Muster, die auf den Einsatz von Sprachmodellen hinweisen könnten, und ordnet sie einer von drei Kategorien zu: „Human“, „Mixed“ oder „AI“.
Deutlicher Anstieg der KI-Nutzung innerhalb eines Jahres
Für die Analyse wurde ein durchschnittlicher KI-Score errechnet. Dafür wurden die prozentualen Anteile an KI-generierten Inhalten innerhalb einer Rede ermittelt, als „Mixed“ eingestufte Inhalte wurden zu 50 Prozent als KI-generiert gezählt. Über beide erfassten Jahre hinweg liegt dieser durchschnittliche KI-Score bei 4,7 Prozent. Dieser Wert hat sich innerhalb eines Jahres von 3,8 Prozent im Jahr 2025 auf 6 Prozent im Jahr 2026 erhöht. Das entspricht einem Anstieg von rund 58 Prozent.
Ergänzend dazu wurde ausgewertet, wie viele Reden Pangram überhaupt als KI-geprägt einstuft. Von den 4.471 untersuchten Plenarreden bewertet das Tool 92 Reden (2,1 Prozent) als vollständig KI-generiert. Weitere 314 Reden (7 Prozent) werden als „Mixed“ und damit als KI-unterstützt eingeordnet. Zusammengenommen weisen damit 406 Reden sprachliche Merkmale auf, die laut Analyse auf den Einsatz von Sprachmodellen hindeuten. Das entspricht rund jeder elften untersuchten Rede.
SPD kommuniziert am KI-lastigsten, Regierungsmitglieder und Grüne am zurückhaltendsten
Zwischen den Fraktionen zeigen sich erhebliche Unterschiede: Reden von SPD-Abgeordneten weisen mit durchschnittlich 7,69 Prozent den höchsten durchschnittlichen KI-Score auf, gefolgt von der AfD (6 Prozent), CDU/CSU (4,4 Prozent) und der Linken (4,2 Prozent). Deutlich niedriger fällt der Wert bei den Grünen aus, deren Reden auf einen durchschnittlichen KI-Score von 1,8 Prozent kommen. In der Analyse wurden Reden von Regierungsmitgliedern, also von Ministern aus CDU/CSU und SPD, separat ausgewiesen und nicht den jeweiligen Fraktionswerten zugerechnet, da nicht alle von ihnen Abgeordnete sind. Dabei fällt auf, dass Reden von Regierungsmitgliedern im Vergleich zu denen der Fraktionsmitglieder mit einem KI-Score von 1,2 den niedrigsten Wert aller untersuchten Gruppen erreichen.
Der Jahresvergleich zeigt außerdem, dass niedrige Gesamtwerte nicht unbedingt Stagnation bedeuten. Gerade die Gruppen mit den geringsten KI-Anteilen verzeichnen zwischen 2025 und 2026 die stärksten relativen Zuwächse, wobei der KI-Score bei Regierungsreden von 0,5 auf 2,5 Prozent und bei den Grünen von 1,3 auf 2,5 Prozent steigt. Damit liegen beide Gruppen im Vergleich weiterhin auf einem niedrigen Niveau, zeigen im Zeitverlauf aber die stärkste Entwicklung.
Einzelne Abgeordnete stechen heraus
Auch auf Ebene einzelner Abgeordneter zeigen sich deutliche Ausschläge. Die höchsten KI-Scores der gesamten Auswertung erreichen drei AfD-Abgeordnete: Tobias Teich mit 100 Prozent bei zwei geprüften Reden, Christoph Grimm mit 100 Prozent bei einer Rede und Claudia Weiss ebenfalls mit 100 Prozent bei einer Rede. Aufgrund der geringen Zahl geprüfter Reden ist die Aussagekraft dieser Einzelwerte jedoch im Vergleich begrenzt. Sascha Lensing von der AfD kommt bei fünf geprüften Reden auf einen KI-Score von 76,2 Prozent (Platz vier). Christos Pantazis von der SPD erreicht bei elf geprüften Reden einen durchschnittlichen KI-Score von 66,6 Prozent (Platz fünf).
Für die Mehrheit der untersuchten Abgeordneten konnte Pangram jedoch keine Hinweise auf die Nutzung von KI finden. Bei 401 der 582 ausgewerteten Abgeordneten, also 69 Prozent, konnte in den geprüften Reden kein nachweisbarer KI-Anteil festgestellt werden.
Lukas von Zittwitz, Gründer und Geschäftsführer von Twenty-Eight, kommentiert:
„KI-Detektoren weisen zunächst keine Urheberschaft nach. Sie messen Wahrscheinlichkeiten. Und weil Sprachmodelle mit menschlichen Texten trainiert wurden, gibt es nicht die eine KI-Sprache. Muster, die heute verdächtig wirken, finden sich daher auch in Reden, die lange vor ChatGPT gehalten wurden. Belastbar wird eine solche Auswertung deshalb über die Menge und die Entwicklung mit über 4.400 Reden in zwei Jahren mit derselben Methode untersucht.
Dass Abgeordnete und ihre Teams KI-Werkzeuge zur Unterstützung nutzen, ist zunächst wenig überraschend. Sprachmodelle gehören inzwischen zum Alltag vieler Büros und können die tägliche Arbeit erheblich erleichtern. Gerade für Parlamentarier ist der praktische Umgang mit KI wichtig, da sie sich auch mit den gesellschaftlichen Folgen, gesetzlichen Rahmenbedingungen und möglichen Grenzen dieser Technologie auseinandersetzen müssen. Umso beachtlicher ist es, wie zügig KI-gestützte Textarbeit auch in der politischen Kommunikation an Bedeutung gewinnt. Innerhalb eines Jahres hat sich der KI-Anteil in Bundestagsreden um mehr als die Hälfte erhöht, was darauf schließen lässt, dass LLMs bei der Vorbereitung parlamentarischer Reden immer mehr zum Einsatz kommen.
Für Abgeordnete und ihre Teams kann KI ein hilfreiches Werkzeug sein, um Reden zu strukturieren, Formulierungen zu optimieren und komplexe Inhalte verständlicher aufzubereiten. Dabei ist jedoch entscheidend, dass Aspekte wie die politische Botschaft, die Haltung oder die persönliche Handschrift erkennbar bleiben. Politische Kommunikation lebt nicht nur von sprachlicher Präzision, sondern auch davon, dass Menschen eine eigene Stimme vermitteln. Je intensiver KI in der Redenvorbereitung eingesetzt wird, desto wichtiger wird daher auch ein bewusster Umgang mit diesen Werkzeugen.“
Über die Untersuchung
Untersucht wurden 4.471 Plenarreden, 2.598 aus 2025 und 1.873 aus 2026, der 21. Legislaturperiode des Bundestags (seit der konstituierenden Sitzung am 25. März 2025 und bis zum 9. Juli 2026) mit mindestens 500 Wörtern. Jede Rede wurde einzeln über den KI-Erkennungsdienst Pangram geprüft. Pangram stuft jeden Text als „Human", „Mixed" (KI-unterstützt) oder „AI" (vollständig KI) ein. Als durchgängige Kennzahl wurde eine gewichtete KI-Score je Rede gebildet, der KI voll und „Mixed" zur Hälfte zählt (KI-Score = Anteil KI + 0,5 × Anteil KI-unterstützt, in Prozent). Die durchschnittliche KI-Score wurde je Fraktion (SPD, CDU/CSU, AfD, Grüne, Linke sowie Regierungsreden separat) und je Redner:in (582 Personen) berechnet, jeweils zusätzlich getrennt nach 2025 und 2026.
Über Twenty-Eight
Twenty-Eight (www.twenty-eight.agency) ist eine deutsche PR-Agentur. Unter dem Slogan “Wir machen Public Champions” hat es sich das Beratungsunternehmen zur Aufgabe gemacht, gestandene Unternehmen zu medialen Meinungsführern zu entwickeln. Zu den Kunden zählen unter anderem Weltmarken wie die Jobseite Indeed oder spezialisierte Mittelständler wie die Influencer-Agentur Netzschreier. Twenty-Eight wurde 2023 von Nils Leidloff und Lukas von Zittwitz gegründet und hat seinen Sitz in Berlin.
